Ulrikes Beitrag zur Blogparade #kAIneEntwertung

Leistung = Aufgewendete Arbeit pro Zeiteinheit? 

Ausgangsverständnis

Die physikalische Herangehensweise an die Frage nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff der Leistung im KI-Zeitalter führt mich unweigerlich in ein Gespräch mit einer KI, da mir diese Vereinfachung von Sachverhalten aus naturwissenschaftlicher Perspektive selbst fremd ist, ich mich aber dennoch nach genau dieser manchmal sehne. Das Zwischenfazit: „Im Grunde geht es bei der alltäglichen Bewertung einer Leistung immer um die Frage, was in welcher Zeit erreicht wurde. “ Dabei wird im Alltag nicht nur beurteilt, was jemand gemacht hat, sondern wie viel (Quantität) davon und wie gut (Qualität). Der verborgene Faktor sei deshalb die Zeit. Entsprechend bedeute implizite Leistung eine zeitliche Effizienz. So klar, so einfach: Die schnelle und korrekte Lösung (hohe Leistung) wird höher bewertet als die langsame. Ein Phänomen, das wir aus dem Schulalltag bei der Konzeption von Klassenarbeiten kennen. 

Die Zeitkomponente macht die Leistung folglich erst vergleichbar, weshalb die Abiturklausuren zeitlich genau bestimmt sind. 

In diesem Sinne ist Zeit auch eine Ressource, die es gilt sinnvoll zu nutzen, gerade weil unsere Lebenszeit endlich ist? Kurz gesagt: Die Leistung ist die Rate der Zielerreichung und wir würdigen vor dem Hintergrund unseres aktuellen Wirtschaftsverständnisses die Effizienz der dafür notwendigen „Arbeit“ in der Schule, z.B. durch Noten. 

Gedankenexperiment

Was passiert, wenn die Effizienz unendlich erhöht werden könnte, weil menschliche Arbeit komplett durch KI ersetzt wird? 

Der zentrale Mechanismus unserer Wirtschaft -die Verknüpfung von Arbeit und Einkommen – würde zusammenbrechen. 

1) Produktionsüberfluss führt zu neuen Verteilungsmodellen, 2) Soziale Anerkennung und Zugehörigkeit müssen neu definiert werden im zwischenmenschlichen Zusammenspiel, 

3) der Fokus liege auf Beziehungen (Kunst, Pflege, Entwicklung des Selbst), 

4) jeder bekäme die Freiheit zum lebenslangen Lernen und zur Selbstverwirklichung – vorausgesetzt die Verteilungsfrage ist geklärt. 

Dafür bedürfte es wiederum eines Konsens´ über die Werte, die der KI als Zielen folgen solle und damit einer Definition des Menschseins unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit. Ergo sum:  Das Problem des Zusammenspiels aus Distribution und menschlicher Existenz rückte ins Zentrum der kritischen Auseinandersetzung.

Was bedeutet das für das aktuelle Bildungssystem?

Die 4 Ks gehören in das Zentrum der aktiven Auseinandersetzung, wenn Lerninhalten definiert werden sollen, sodass komplexe Problemlösefähigkeiten entwickelt werden können. 

Die Leistung entstünde entsprechend in der Fähigkeit, einen menschlichen Mehrwert zu generieren: Fehler erkennen, Design Thinking, Fallstudien, Planspiele usw. 

Entsprechend entstehen Prüfungen ohne den Zeitfaktor! Die Ressource Zeit wird unendlich, sie dauerte ein Leben lang, sodass der Prozess in den Mittelpunkt rückt: Prototypen, Entwürfe und Dokumentationen machen den Lernweg sichtbar. Spontane Argumentationsfähigkeit, Selbst-Assessment und Peer-Assessment (Feedback-schleifen) auf der Basis eines Kompetenzrasters fördern das Urteilsvermögen. Entscheidungen müssten differenziert begründet werden können, sodass Leistung ausschließlich einen qualifizierten Nutzen hat. Wenn dann Noten immer noch notwendig sein sollten, ergeben sich diese aus der gedanklichen, methodischen Genauigkeit, der Differenzierungsfähigkeit und Interdisziplinarität der Anwendung. 

Bräuchte es dafür neue Curricula? Antwort der KI: Definitiv. Fakten und Quellenkritik, AI Literacy, Interdisziplinarität und Projektarbeit, Ethik/Philosophie als Pflichtfach! und Querschnittsthema. Lernprotokolle, Feedbackschleifen, also Metakognitive Prozesse stünden im Fokus. 

DAS ALLES VERKÖRPERT BEREITS PEGA!! 

Was hält uns also fern? 

Strukturelle und kulturelle Herausforderungen! 

Vielleicht lässt es sich tatsächlich in dem Dilemma zwischen dem Bedarf an Standardisierung, um extern einschätzen zu können, was jemand bereit ist, zu leisten und zu lernen (Fremdeinschätzung) und dem Bedürfnis nach Individualisierung (Selbsteinschätzung), das sich im kreativen Prozess entwickeln könne. 

Mein persönliches Fazit: Menschliche Leistung entsteht seit Anbeginn der Zeitrechnung in der Kombination aus Wissen, Gestaltung und Empathiefähigkeit. 

Den Sinn des definierten Ziels, das eine KI umsetzt, bestimmt folglich der Mensch und damit einher geht das zwischenmenschliche Vertrauen, dass jeder von uns eine Idee von Glück und Zufriedenheit leben möchte, also in Liebe handelt. 

Mag sein, dass das nach einer sozialen Utopie klingt. Allerdings ist der Kerngedanke meiner Argumentation in allen großen Weltreliginen enthalten: im Christentum die Nächstenliebe, im Islam die Barmherzigkeit, im Buddhismus Wohlwollen als das Ende des Leidens und im Judentum als Gerechtigkeit und Tikkun Olam (die Reparatur der Welt). 

Der Mensch füllt also die Lücke zwischen der Möglichkeit (Effizienz) und dem Sinn (dem Glück). 

KI ist in diesem Verständnis ein Katalysator für Menschlichkeit und wirkt aktuell disruptiv, da es die bestehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aushandlungsprozesse neu zur Debatte stellt. 

Deshalb muss Schule aktuell diesen Prozess aufnehmen und die Diskussion mit den Lernenden führen, was KI zukünftig an Zielen umsetzen sollte. Ergebnis?- offen!  

Deshalb liebe ich meinen Beruf!  

Alles Liebe Ulrike Friese

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